Wo ist die Schwelle zum Erwachsensein?

Die Pubertät ist körperlich ganz sicher ein drastischer Umbruch innerhalb weniger Jahre. Und auch psychisch geschieht in dieser Zeit einiges mit uns. Doch die geistige Weiterentwicklung macht nicht gerade einen Riesensprung in dieser Zeit.

Verändert ja, aber “Erwachsen“ im Sinne von Vernünftig, kann man die Jugendlichen nach Abschluss der Adoleszenz (Geschlechtsreife) oder ab dem 18. Lebensjahr nun absolut nicht nennen.

Ich würde den Großteil, (so wie mich auch damals) eher als unvernünftige neu – Zombies auf der Suche nach Freiheit, Sinn und Halt bezeichnen.

Doch verhält sich denn irgend ein sogenannter “Erwachsener“ hier auf Erden vernünftig genug?

Wie hier schon beschrieben ist es nicht leicht irgendeine Art von “erwachsen“ im menschlichen handeln auf diesem Planeten zu finden.

Viele lassen sich während und nach der Pubertät gehen und irren im Leben umher. Und auch das ist nichts Unnormales.

Andere wiederum gehen ins andere Extrem und wollen schnell heraus aus dem kindlichen und die gängigen Erwachsenen- Klischees erfüllen. Sie folgen dann oft schon früh dem gesellschaftlichen Bild von Erwachsensein.

Manche davon möchten zum Beispiel durch besondere Rhetorik und viele Fachbegriffe sowie eine hochwissenschaftliche Sprechweise, besonders Weise und erwachsen wirken.

Andere möchten besonders schnell eine Karriereleiter hoch-rennen und andere ausstechen, um besonders entwickelt zu wirken.

Manche wiederum, wollen sich schnell der Verantwortung einer eigenen Familie stellen.

Usw……….

Und nichts davon ist richtig oder falsch.

Aber nichts davon darf mit Reife, Weisheit, Vernunft oder gar Glück verwechselt werden.

Dies ist alles Entwicklung und ohne Zweifel formen einen die Aufgaben, denen man auf diesem und jenen Weg begegnet.

Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, Ehrgeiz und Mut sind gute Antreiber zu neuen Herausforderungen und Abenteuern, aber auch diese Eigenschaften machen einen nicht unbedingt erwachsen.

Wann ist man denn wirklich reif genug für – zum Beispiel, eine eigene Familie, eine Weltreise, Firma oder Chefrolle?

Man wächst mit den Aufgaben und der Mensch ist ein Gewohnheitsstier, in Wirklichkeit gibt es den perfekten Zeitpunkt doch gar nicht. Und gerade die Erfahrung und das Ausprobieren, verändert und formt uns besonders und viel mehr, als jede Theorie es je könnte. Dennoch, eine gewisse Stabilität und Reife sollte man, für manche Aufgaben, zum Beispiel für eine Kindererziehung, schon mitbringen.

Ich denke, man ist nie zu 100 % reif, weise, vorbereitet oder “Erwachsen“ genug für die Dinge des Lebens. Irgendwann, ab einem bestimmten Punkt, zählt die Erfahrung des Handelns, ab da muss man einfach die Angst loslassen, vertrauen und machen.
Aber ausreichend erwachsen ist man meiner Meinung nach, wenn man sich in seinen grundlegendsten Eigenschaften kennen und einschätzen gelernt hat. Und demzufolge die Fähigkeit besitzt, sich immer wieder zu reflektieren und selbst zu betrachten. Und demnach auch seine aktuellen Stärken und Grenzen kennt, sowie diese von Überschwang und Angst zu trennen vermag und dementsprechend handelt.

Egal wie oft man seinem Fallschirm prüft, irgendwann muss man einfach springen.

Es kommen doch viele kleine und große Umbrüche und Krisen im Leben eines jeden, die einen Formen und verändern. Manchmal macht man ein paar Schritte zurück, aber im Endeffekt sind diese Rückschritte auch oft irgendeine Weiterentwicklung, von der man später profitieren kann.

Die Gefühle des Erwachsenen.

Veränderung ist Evolution und Leben.
Man versucht sich stetig weiterzuentwickeln und oder wird vom Leben in die Veränderung gezwungen.
Die stetige Veränderung, die ganz klar mit zunehmendem Alter, in den meisten Fällen, langsamer vonstattengeht.

Wir kommen nirgendwo an, es geht immer weiter und weiter bis zum Tod. Was danach ist weiß keiner, aber ein Baby weiß ja auch nicht, was nach der Kindheit so alles kommt.

Unsere Gefühle sind die Stupser der Veränderung und die Indikatoren, für das was ist und was das Leben mit uns macht.

Und auch wenn das Kopfdenken gesellschaftlich eher als erwachsen betrachtet wird, so sind zeit unseres Lebens die meisten Entscheidungen von Emotionen und Gefühlen gelenkt.

Auch dies haben wir mit kleinen Kindern gemeinsam.

Der Kopf mag in der Lage sein, vernünftige Entscheidungen treffen zu können, doch oftmals scheitert er schon daran auf das Herz zu hören.

Viele Menschen nehmen in all dem Kopfdenken gerade so noch die aller lautesten Gefühle ernst. Und so ist es oftmals auch das Gefühl der Angst, welches die Menschen zu ihren Entscheidungen bewegt, und weniger die Vernunft und Weisheit.
(Angst nicht genug abzubekommen. Angst nicht genug informiert zu sein. Angst nicht genug respektiert und gemocht zu werden. Angst zu wenig Geld zu haben. Angst vor gestern, Angst vor morgen…… usw.)

Extrem gesehen kann man behaupten, dass viele später nicht erwachsener, sondern ängstlicher und spießiger werden mit der Zeit.

Doch das muss nicht sein.

Nach dem Man die Pubertät hinter sich hat und irgendwann gegen 30 dann halbwegs vernünftig genug ist, sollte man also gehörig aufpassen, nicht im Extrem der Regeln und Vernunft zu verharren und das Kind in einem nicht ersticken.

Wieso nicht zu seinen kindlichen Gefühlen und Emotionen stehen und sie ausleben?
Warum die Trauer unterdrücken und die Freude nur im Keller zulassen?

Warum dagegen ankämpfen und den Ängsten erlauben zuzulassen das wir uns hinter angeblicher Vernunft verkriechen,
wenn man selbst genau spürt (Bauchgefühl, Herz), was richtig ist und was nicht.

Viele ersticken ihr inneres Kind in einem Gesellschaftsbild von “erwachsen sein“. Und hinter wunden Ängsten, Narben und Mauern.

Lass die wilde Seite heraus sie ist völlig OK.

Ja und man sollte auch mal wieder unvernünftig sein wenn einem danach ist.

Ich rede nicht von Drogenparties und Komasaufen. Und auch nicht davon im Zoo ins Tigergeheege zu klettern.

Ich rede davon wieder mehr aufs Herz zu hören und auch mal unvernünftig zu sein, wenn es denn sich gerade OK anfühlt und sich und andere nicht leichtfertig gefährdet.

Ich rede davon Nicht alles zu kontrollieren. Den Kopf auch mal wieder zurückzufahren, sich selbst mal wieder zu überraschen und sich und seinen Fähigkeiten zu vertrauen.

Ich rede davon Fehler machen zu dürfen und sie als Erfahrungspunkte zu sehen.

Sich zu trauen laut zu lachen.

Sich auf die Gegenwart zu konzentrieren.

Sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

Ich rede davon die Vernunft nicht überhand werden zu lassen.
Wieder neugierig zu sein.
Dem Herz und Bauchgefühl mehr Raum zu geben.
Neues auszuprobieren, unbekannte Wege zu gehen, unbekanntes zu testen und zu erforschen.

Das Leben nicht ständig zu ernst zu sehen.
Zu spielen und allgemein Spaß zu haben so oft es nur geht.

wenn man das wieder mehr hinbekommt und mit Selbstreflexion, Bewusstheit und der scharfen Auseinandersetzung, mit seinen Wunden und Ängsten verbindet, dann hat man einen riesigen Schlüssel zum glücklich sein in der Hand.

Als Kind bewunderte ich Erwachsene, weil sie keine Angst zu haben schienen. Heute bewundere ich Kinder aus demselben Grund.

Die Liebe und die Wunden.

Spätestens die erste große Liebe zeigt uns wie wenig Verstand und Vernunft es tatsächlich in uns gibt.

Ja und dann verschließen wir unser Herz, weil wir kindlich und naiv geliebt haben und böse verletzt wurden.
Wir verschließen es und mit ihm auch immer ein Stückchen Spaß und ganz viel Glück.

Dann trauen wir dem Herz nicht mehr und nun muss es der Kopf richten im Leben. Jener Kopf, der uns angeblich so erwachsen macht.

Ein Weg der vom Spaß und der Liebe über die Angst mit den Wunden bis zur Verbittertheit gehen kann.

Ja und manche verstecken sich dann dahinter und versuchen korrekt darauf zu achten, dass andere nicht glücklicher sind und sich alle genau an die grauen Regeln des Alltags halten und keiner mehr Spaß hat als man selbst.

Da wird dann besonders auf die vielen Regeln gedeutet die einst Kirche und Vater Staat verankern wollten.

Verbittert und spießig rennt man nun mit verschlossenem Herzen so durchs Leben, von Selbstmitleid zerfressen, Wut auf alles und die Menschen im Magen und geschärften Blick für Unrecht und Gefahren.

Doch erwachsener wäre es, seine Gefühle richtig ernst zu nehmen und anzusehen.

Jede Trauer hat ein natürliches Ende und jedes Kind weiß das.

Auch weiß jeder Kopf das (erhaltene) Liebe kommt und geht und die Liebe, die man in sich trägt, einem nicht genommen werden kann, wenn man sie beschützt und sich regelmäßig daran erinnert.

Diese Liebe lässt Raum für viel Spaß im Leben und auch wenn die schmerzhaften Erinnerungen bleiben, der Spaß muss nicht weiter darunter leiden.

Nichts ist perfekt im Universum, es ist eine Schande wegen ein paar Wunden, die Gefühle uns geben, den vielen Spaß den sie einem geben können, aufzugeben.

Und da wir als Erwachsene im Informationsrausch nun so sehr kopflastig geworden sind, sollten wir unseren Kopf auch dazu nutzen wieder mehr Spaß zuzulassen.

Es gibt so viele Möglichkeiten im Leben die wir leider nicht sehen, wenn wir in der festgefahrenen Schiene kleben bleiben.

Erwachsen sein muss nicht heißen die kindliche Neugierde zu untergraben. Es gibt kaum eine bessere Eigenschaft, als neugierig zu sein.

Warum den nicht mehr neues ausprobieren? Das ist doch das, was das Leben interessant macht.
Vielleicht hast du dein liebstes Hobby noch nicht gefunden, weil du es noch nie ausprobiert hast.

Neues – Probieren, probieren, probieren, versuchen – darin liegt Glück und Weiterentwicklung.

Spielerisch und ohne stark – fesselnde Angst, öffnen sich die tollsten Türen. Manche von ihnen öffnen sich nur kurz, sie bleiben neue Erfahrungen und manche bleiben langfristig oder gar für immer offen für uns.

Und wenn die Angst noch immer sagt, “Ach ich versuche lieber nichts Neues und gehe weiter den bekannten, bequemen Weg“, Dann arbeite zuerst an der Angst.

Auch das geht spielerisch am einfachsten. Mach es dir zum Hobby Ängste zu überwinden. Nimm dir dabei Unterstützung, wenn du magst.

Das Herz ist neugierig, es will neues testen, den Kopf überraschen und Abenteuer erleben. Es will nicht am Status quo stehen bleiben.

Der Kopf soll nur ein bisschen bremsen.

Aber in den meisten Fällen bremst ein riesiger Berg im Kopf.
Es bremsen einen, Ängste und Regeln, Vorurteile und falsche Glaubenssätze. Es bremst die “was könnten die anderen denken“, Paranoia.

Doch wir haben die Macht dies alles zu ändern, denn wir haben die Macht über viele unsere Gedanken und somit auch über viele unserer Emotionen.

Fangen wir an wieder mehr zu unserem wahren Wesen zu stehen. Kinder in älteren Körpern sind und bleiben wir emotional gesehen sowieso unser Leben lang, ob wir dazu stehen und das ausleben oder nicht.

Als erwachsener begegnet man auch dem Thema Tod öfter. Ein Kind denkt darüber kaum nach. Dies bringt im Kind natürlich auch eine Unbekümmertheit mit sich, die der erwachsene jedoch wiederfinden kann, wenn er sich ausreichend mit dem Thema sterben auseinandergesetzt hat und merkt das der Tod nichts Schlimmes ist und alles ende, wieder einen Anfang hat.

Im hohen Alter werden wir Menschen meist automatisch wieder mehr kindlich. Und viele alte Menschen wissen auch das, das Leben ein Spiel ist und man hier sowieso nicht lebend herauskommt.
Die 50 – 70 Jahre im Leben, die zwischen jungem Kind sein und altem Kind seinem liegen, sollten wir also vielmehr damit verbringen, wieder mehr Kind zu sein, denn dies ist der Weg des Herzens. Und, wenn etwas wirklich glücklicher macht dann dieser Weg.

Fazit:

Das Erwachsensein, ist in meinen Augen die Fähigkeit, in ausreichendem Maße auf sich selbst acht zu geben und sich selbst immer wieder weiter neu zu reflektieren und kennenzulernen. Und wer auf diesem Weg seine Wunden und Ängste betrachtet und lernt seinem inneren kindlichen Bedürfnissen wieder mehr Raum zu geben, der hat gute Chancen dabei auch noch glücklich zu werden.

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