rote roseEs nannte sich Nachtkaffe und war jeden Mittwoch von 18 bis 21 Uhr.
In dieser Einrichtung landete ich Anfangs durch Sozialstunden, die ich nach einer Dummheit, die ich begangen hatte, ableisten musste. Später wurde ich Teilzeit übernommen.

Im Foyer lag immer ein Buch, umgeben von Kerzen, ich mochte es nicht, es war voller Namen, die ich teilweise kannte.
Und so ging ich auch immer an diesem blöden Buch vorbei.
Ich und mein Kollege Jannies waren dafür zuständig, die älteren Leute in diesen 3 Stunden, eines jeden Mittwochs zu unterhalten. Es fühlte sich nicht wie ein Job an, sondern war eher ein Vergnügen und enorm wertvoll für mich. Wir hörten oft alte Deutsche Volksmusik, tanzten mit den Senioren, bastelten, spielten Fußball im Sitzen und erzählten von der Vergangenheit. Eigentlich nichts, was einen jungen wilden Rebellen, – Anfangs 20 unbedingt begeistert, aber ich hätte damals sogar jede Party, jedes Fußballspiel und jedes Date dafür sausen lassen und würde es wieder tun.

Ich werde es nie vergessen und man kann soooooooo viel lernen von den alten Menschen.

Besonders oft wurden mir diese 3 Worte gesagt – Nutze das Leben und Nutze das Leben – und auch Nutze dein Leben.
Und dies wurde mir noch mehr bewusst, als Menschen mit denen du eine Woche vorher noch fröhlich zu Lotusblume von den Flippers, im Nachtkaffe des Seniorenheimes getanzt hattest, auf einmal nicht mehr erschienen und die Gruppe von mal zu mal, kleiner wurde.
Ich wollte nicht in das Buch schauen. Aber mein Herz pochte auch jedes mal, wenn ich in die Stationen kam, um die Senioren zum Nachtkaffe abzuholen.

Ja wir müssen alle gehen irgendwann. Ob früher oder später. Und am besten mit einem erfüllten Gefühl, voller Frieden mit uns und der Welt.

grab mit blumen daraufDer Tod ist das einzige was absolut sicher ist. Ohne ihn wäre das Leben kein Leben.

Und auch, wenn der Gedanke ans sterben, schon lange kein schöner für mich ist und es auch bis auf ein Paar wirren, kurzen Gedanken, wärend meiner Depression, nie wirklich war.
So zeigt dieser Gedanke mir, für jeden Tag dankbar zu sein.

Und motiviert mich, für mich und mein Leben das beste zu tun, was ich tun kann, um irgendwann, wenn es soweit ist, – im sterbe Bett, – mit einem Lächeln sagen zu koennen.

Danke für dieses Leben.

Es war nicht immer leicht, aber ich habe gelernt, das ich die Macht hatte, mit allem Schritt für Schritt umzugehen.

Es war nicht immer schön, aber so konnte ich die schönen Momente noch mehr genießen.

Ich konnte nicht immer mein bestes geben, aber sobald ich mir dessen bewusst war, habe ich mein bestes versucht.

Ich war nicht immer liebevoll, aber ich habe soviel Liebe vergeben, wie es mir zum jeweiligen Zeitpunkt möglich war.

Ich konnte nicht alles wissen, aber ich habe nie aufgehört dazu zu lernen, mich selbst zu reflektieren und mich weiterzuentwickeln.

Ich habe nicht jeden zufriedenstellen können, aber gelernt jedes Lebewesen zu respektieren.

Ich habe irgendwann einmal aufgehört vor meinen Ängsten und Problemen und Traurigkeit davon zu laufen und habe sie angenommen und verstanden das sie mir nur helfen wollen.

Ich bin nicht immer nur den Weg des geringsten Widerstandes gegangen, sondern habe für mein Glück, meine Ziele, meine Freiheit, Gesundheit und den Spaß im Leben auch mal gekämpft und dafür, vorübergehend mal unbequemere Zeiten auf mich genommen.

Ich habe Fehler gemacht, bin auch hin und wieder gescheitert und immer wieder aufgestanden – und kann stolz auf mich sein.

Ich habe aufgehört mich, mein Herz und meine Gefühle sowie meine Natur als Mensch zu unterdrücken und mich so wie ich bin, mit all den Macken lieben gelernt.

Ich habe nicht jeden Traum verwirklichen können, aber mich auf ihre Wege begeben und dabei viel wertvolles erfahren.

Ich habe mich irgendwann nicht mehr für die Vergangenheit bestraft, sondern jeden Tag als Neuanfang gesehen.

 Ich habe ein schönes Leben gehabt.

ein offenes Buch du kannst es fuellen

Du schreibst deine Geschichte jeden Tag wieder.  —–  Sie wird niemals sterben.

 

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Georg Kirschstein

Georg Kirschstein

Hi, ich bin Georg
von der Spezies Mensch.
Nach einer teilweise schwierigen Kindheit, in der so manches Chaos herrschte, geriet ich immer mehr, vom fröhlichen beliebten Jungen, in einen selbst-hassenden, unsicheren, depressiven jungen Menschen. Ich merkte damals nicht, dass mich die Probleme Zuhause schleichend depressiv machten und veränderten. Es folgten viele Jahre reichhaltiger Alkoholkonsum und Drogenexperimente. Nur durch Verdrängung, konnte ich mich und meine Umwelt ertragen. Irgendwann wusste ich nicht mal mehr, was Glück und Freude sein können. Ich war soweit unten, dass ich am absoluten Nullpunkt angelangt war. Ein sehr spannender, aber beängstigender Punkt. Heute bin ich unglaublich dankbar, dass ich mich an dieser Kreuzung für das Leben entschieden hab. Nach einer Selbstfindungsphase, mit Therapie und vielen wichtigen Erkenntnissen, Höhen und Tiefen, Beziehungen, vielen verschiedenen Jobs (unter anderem im Altenheim, für die Telekom im Verkauf, als Autovermittler, im Krankenhaus, als Tischler in einer Ausbildung, als Avocado Bauer usw.) und einer Reise ans andere Ende der Welt und vielen tollen Begegnungen, kann ich seit einiger Zeit sagen, das ich dem glücklich sein ziemlich nahe bin und das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen Liebe, schätze und genießen kann. Mit dem heutigen Wissen, weiß ich das Licht und Schatten eng beieinander liegen und es eben kein langer und harter Weg sein muss, aus einer Krise, Depression oder Unzufriedenheit heraus zu kommen. Solange man sich wieder auf seine eigentliche Natur begibt, nämlich dem Mensch sein an sich. Ein Hase kann auch nicht erfolgreich sein, wenn er versucht eine Schlange sein zu wollen. Der Unterschied ist, das der Hase das weiß und wir Menschen oft leider nicht. Aber genug von Hasen und Schlangen. Seit langem beschäftige ich mich mit Psychologie, Selbstverwirklichung, Lebenskunst, Gesundheit, Meditation und der eigentlichen Wirklichkeit des Lebens und Seins. Und hoffe durch diesen Blog auch anderen ein bisschen mit meinen Erfahrungen weiterhelfen zu können.

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