Angesichts der immer wiederkehrenden problematischen Meldungen, die im Zusammenhang mit einigen religionenselbsternannten religiösen Menschen stehen, stellt sich die Frage, ob Religion den Menschen dient oder mittlerweile mehr Schaden in der Welt verursacht:
Die vielen religiösen Kriege, Streitereien und Zerstörungen auf diesem Planeten. Gewalt, Hass, Vergewaltigungen und Abweisungen vergewaltigter Frauen in Krankenhäusern. Geldgier mancher Gotteshäuser, Homophobie und teilweise Intoleranz gegenüber anders Denkenden.

Passt Religion noch in unsere Zeit? Dient sie noch dem Wohle der Spezies Mensch?

Kurz zu meiner religiösen Geschichte.

Ich wohne in Berlin-Neukölln, zwischen vielen verschiedengläubigen Menschen und Kulturen. Und größtenteils leben wir hier sehr harmonisch und respektvoll miteinander. Es gibt vielmehr freundliche Menschen als umgekehrt.
Meine liebe Tante kommt aus Jemen und ist gläubige Muslima.
Sie lebt in Thüringen und hat zusammen mit meinem Onkel eine wunderbare, lockere, liebenswerte, weltoffene Familie. Ich habe islamische Freunde, christliche Freunde sowie atheistische Freunde und Freunde ohne jeglichen Bezug zum Glauben.

Mein Großvater war Pfarrer in einer evangelischen Kirche. Ich selbst bin die ersten Jahre meines Lebens evangelisch erzogen worden.
Doch ich mochte die Einrichtungen nie wirklich sehr. Ich mochte es nicht, in diesen kalten Häusern zu sitzen und mir von jemandem vorschreiben zu lassen ,was richtig und was falsch ist. Ich mochte den Gedanken nicht, dass eine von Menschen gegründete Organisation den Glauben nutzt, um andere zu beeinflussen und damit auch noch Geld zu verdienen. Dies war meine damalige Interpretation und Einstellung.

Als ich dann im Alter von 9 Jahren meine Katze überfahren auf der Straße fand, verlor ich auch den Glauben an Gott komplett.

Doch viele Jahre später hatte ich ein paar Erlebnisse, die mir vor Augen riefen, dass es meiner Meinung nach da etwas Höheres um uns herum gibt. Etwas, das uns immer beisteht und zu uns gehört.

Weiterhin gehöre ich keiner speziellen Glaubensrichtung an. Aber ich glaube an Gott, Allah, das Universum oder wie auch immer man das Höhere nennen möchte. Für mich ist es das Universum und die Natur, welcher wir alle angehören, selbst.

Dennoch würde ich niemals Geld in die Hand nehmen und eine Organisation daraus machen. Oder andere in ihrem Denken und Handeln manipulieren und andere Menschen beeinflussen, das zu glauben und zu denken, was ich für mich empfinde. Und niemals würde ich einer Organisation beitreten, die mir sagt, wie ich zu glauben habe.

Ich will in meinem Glauben und Denken unabhängig und frei sein.

Dennoch bin ich der Meinung, dass auch die religiösen Einrichtungen viel Gutes im Sinne der Menschheit bewirken.

Religion und Teile ihrer Einrichtungen geben vielen Menschen Halt, gemeinsame Aktivitäten und Sicherheit. Es entsteht ein Dazugehörigkeitsgefühl.

Die meisten Prediger haben sehr viele weise Worte und Psychologie in ihren Predigten, und Menschen können dort in schweren Zeiten Kraft finden. Viele Menschen konvertieren gerade in einer schwierigen Lebenssituation zu einer Glaubensgemeinschaft.

Ich persönlich mag Selbstfindung, Spiritualität und Psychotherapie aus allen Richtungen, solange sie menschlich hilfreich und sinnvoll ist. Ich mag auch viele Weisheiten und Lehren aus dem Buddhismus.

Religion ist nicht das Problem, sondern einige wenige Teile der Menschheit, die sie extrem ausleben. Wer seine Religion richtig versteht, wird nicht gewaltbereit, zerstörerisch, gierig oder intolerant.

Extremismus ist das Problem – egal ob religiöser, rechter, linker oder anderweitiger Extremismus.

Extremisten sind Menschen, die jeglichen Zugang zum Herzen verloren haben und fast ausschließlich Sklaven ihres Egos sind. Sie verfallen den schwachen menschlichen Eigenschaften – wie Gier, Neid, Hass – komplett und können (oder wollen) sich nicht aus deren Schlingen befreien.

Es gibt mehrere Ursachen, dieser Schwäche zu verfallen und extrem zu werden. Und glücklicherweise werden es die wenigsten, weil die meisten Menschen auch in sehr schweren Lebenszeiten noch stark und bewusst genug sind, um sich ihre Menschlichkeit zu bewahren. (In einem weiteren Artikel werde ich noch genauer auf Extremismus eingehen. Da spielt Bildung, Veranlagung, Manipulation, Gewohnheit und vieles weitere eine Rolle). Sie finden nach und nach zu mehr innerem Frieden und menschlicher Stärke zurück, nicht zuletzt auch oft durch Hilfe von außen, z.B. durch Religion, Psychotherapie, weise Bücher oder Mitmenschen.

Mit dem Herzen denkende und selbstbewusste Menschen werden niemals extremistisch. Und auch die wenigsten Menschen mit schwachen Selbstwertgefühl und wenig Zugang zu ihrem Herzen werden automatisch extremistisch.

Doch ein dem Extremismus verfallener Mensch schafft das nicht und triftet immer weiter ab. Oft sieht er nur noch Hasserfüllung und Gewalt als Ausdruck seiner Unzufriedenheit. Und ignoriert auch alle weiteren Warnsignale seines Herzens. Diese Menschen suchen sich dann eine Plattform oder werden manipuliert.
Egal, ob dies eine gewaltbereite Gruppe, eine religiöse Gruppe oder eine Sekte ist. Solche Menschen können alles werden: Rechtsextremisten, Linksextremsten, Terroristen jeglicher Art oder religiöse Fanatiker.

Dem Extremismus verfallene Menschen sind sehr einfach in alle Richtungen manipulierbar und haben nicht viel mit z. B. ihrer Religion im eigentlichen Sinne gemeinsam, sondern ziehen sie durch ihre böse/schwache und falsche Auslegung in den Dreck.

Wo wir beim zweiten kritischen Punkt sind: der Auslegung einer Religion. Es gibt unzählige verschiedene Kirchen und alle sind der Meinung, die Heilige Schrift richtig auszulegen. Es wird gesplittert und verformt.
Jeder beansprucht die einzige Wahrheit für sich.

Ich behaupte, alles,, was von Menschenhand geschrieben wurde hat ein Recht darauf auch hinterfragt zu werden. Wir sind nunmal fehlbare Wesen. Nichts und niemand ist perfekt.

So kommt es leider teilweise auch vor, dass manche Splittergruppen die Religion extrem auslegen. Die extreme Auslegung wird von schwachen Menschen vorangetrieben und zieht schwache Menschen an. Ihre innere Unzufriedenheit über so gut wie alles, auch über Andersdenkende, gepaart mit Hasserfüllung und mangelndem Selbstwert ergibt eine aggressive Mischung.

Wenn diese Fanatiker und Hassprediger weitere zum Extremismus tendierende Menschen antreffen und ihnen einen Sinn in ihrem Leben versprechen, wenn sie für ihre Sache kämpfen, summiert sich die gewaltbereite Energie. Leider manipulieren diese Menschen manchmal auch andere unsichere Menschen, welche nicht gewaltbereit denken, sondern einfach nur Halt im Leben suchen.
Auch diese können, unter bestimmten Umständen und Gegebenheiten, leichte Beute für Hassprediger darstellen.

Dies kann durch Bewusstheit und Aufmerksamkeit von uns allen gegenüber unserer Mitmenschen verhindert werden. Außerdem sollten wir endlich Mobbing und andere Abartigkeiten unterlassen und noch respektvoller und liebevoller miteinander umgehen.

Jeder kann jeden Tag Schritte in die menschliche Richtung machen und andere positiv beeinflussen. Schon ein Lächeln auf der Straße von dir kann (und wird) viel Positives in anderen bewirken, auch ohne dass du es immer direkt mitbekommst.

Nicht die Religion ruft zur Gewalt auf, sondern Menschen mit wenig Stärke, welche ihre Religion missbrauchen und falsch deuten.

Die Thematik der Auslegung kann im Einzelfalle der Religion und auch der Gesellschaft schaden.

Glaube darf nicht weiterhin von extremen Menschen missbraucht werden.

Wenn Religion anderen aufgezwungen wird, dann wird sie nicht aus voller Überzeugung ausgeführt. Dann entsteht Religion aus Angst heraus. Der gezwungene Mensch wird immer einen Widerstand im Herzen behalten. Er wird seine innere Unzufriedenheit vielleicht in einer gewaltsamen Auslegung zum Ausdruck zu bringen versuchen.

Auch wenn einzelne Prediger ihrer inneren Unvollkommenheit verfallen, z. B. ihre sexuellen Neigungen nicht in den Griff bekommen, oder die Religion nur ausnutzen um an Geld zu kommen, kann dies der Gesellschaft und der Religion schaden und den Widerstand gegen Religionen erhöhen.

Fazit: Religion schadet absolut nicht, solange sie vom Auslebenden richtig verstanden und nicht als Bühne extremistischer Menschen oder Ideologien missbraucht wird.
Wenn sie nicht die Würde der Menschen und die Menschenrechte gefährdet und wenn sie nicht als Geld und Machtinstrument missbraucht wird,
dann lässt sie sich mit einer sich stetig weiterentwickelnden und modernen Gesellschaft vereinbaren und kann vielen Menschen auch in Zukunft Halt und Kraft geben.

Alles, was der Menschlichkeit dient, ist wichtig und förderlich für uns alle. Und jeder kann in seinem Alltag daran mitwirken, Menschlichkeit wieder mehr zu verbreiten.

Wir Menschen suchen nach Antworten auf die großen Fragen. Wir haben schon immer nach Antworten gesucht und werden auch in Zukunft nach Antworten suchen.
Meiner Meinung nach liegen diese Antworten in uns und unserer Verbindung zur Natur.

Religion und Wissenschaft, beides hält viele Antworten bereit. Ich finde, dass beides absolut miteinander vereinbar ist und beides seine Berechtigung hat. Denn die Wissenschaft wird nie auf alles Antworten finden können, und so manches, was in religiösen Schriften als absolute Wahrheit galt, wurde offensichtlich widerlegt.

Religion ist so alt wie die Menschheit selbst und Teil der menschlichen Kultur.

Schon früh haben wir Menschen z. B. die Natur, die Sonne und die Sterne verehrt. Ein sensationeller Fund, der unsere momentanen Vorstellungen der Menschheitsgeschichte gehörig auf den Kopf stellt, wurde an einem Ort in der Türkei namens Göbekli Tepe gemacht. Es wurden komplexere Bauwerke gefunden, die auf über 10000 Jahre v. Christus datiert werden konnten. Noch weit vor den alten Ägyptern scheint es hier eine höhere Kultur gegeben zu haben.

Leiter der Ausgrabungen ist der deutsche Archäologe Klaus Schmidt. Schmidt geht davon aus, dass die Menschengruppen, die das Monument errichteten, sehr viel komplexer organisiert waren als man dies für Jäger und Sammler bisher annahm. Viele Indizien weisen darauf hin, dass es sich um einen religiösen Ort handelt, welcher wahrscheinlich den ältesten Tempel der Menschheitsgeschichte darstellt. Vielleicht die erste Religion der Welt. Vielleicht sogar die Wiege der zivilisierten Welt. Manche meinen, Göbekli Tepe könnte gar der Ursprung aller weiteren Religionen gewesen sein. Jedenfalls ist klar, dass Religion schon immer ein Bestandteil von uns Menschen war.

Ich denke, ein Glaube bewirkt viel Positives. Doch jeder Mensch sollte selbst entscheiden was für ihn gut ist. Jeder sollte unbeeinflusst von anderen zu seinem Glauben finden können und an das glauben, was er will – solange es seinem eigenen Wohl und dem Wohle der Menschen dient und er andere damit nicht manipulieren möchte.

Es gibt weitaus mehr religiöse Menschen auf der Welt als nichtreligiöse. Probleme wie Extremismus, Hasserfüllung, Neid, Gier und Gewalt sind keine religiösen Probleme, sondern Probleme der Menschheit allgemein, die wir Schritt für Schritt mit Bewusstheit und Hilfe jedes einzelnen von uns in den Griff bekommen werden.

Danke fürs Lesen und alles Gute. Ich freue mich natürlich sehr. eure Meinungen zum Thema zu hören.

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Georg Kirschstein

Georg Kirschstein

Hi, ich bin Georg
von der Spezies Mensch.
Nach einer teilweise schwierigen Kindheit, in der so manches Chaos herrschte, geriet ich immer mehr, vom fröhlichen beliebten Jungen, in einen selbst-hassenden, unsicheren, depressiven jungen Menschen. Ich merkte damals nicht, dass mich die Probleme Zuhause schleichend depressiv machten und veränderten. Es folgten viele Jahre reichhaltiger Alkoholkonsum und Drogenexperimente. Nur durch Verdrängung, konnte ich mich und meine Umwelt ertragen. Irgendwann wusste ich nicht mal mehr, was Glück und Freude sein können. Ich war soweit unten, dass ich am absoluten Nullpunkt angelangt war. Ein sehr spannender, aber beängstigender Punkt. Heute bin ich unglaublich dankbar, dass ich mich an dieser Kreuzung für das Leben entschieden hab. Nach einer Selbstfindungsphase, mit Therapie und vielen wichtigen Erkenntnissen, Höhen und Tiefen, Beziehungen, vielen verschiedenen Jobs (unter anderem im Altenheim, für die Telekom im Verkauf, als Autovermittler, im Krankenhaus, als Tischler in einer Ausbildung, als Avocado Bauer usw.) und einer Reise ans andere Ende der Welt und vielen tollen Begegnungen, kann ich seit einiger Zeit sagen, das ich dem glücklich sein ziemlich nahe bin und das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen Liebe, schätze und genießen kann. Mit dem heutigen Wissen, weiß ich das Licht und Schatten eng beieinander liegen und es eben kein langer und harter Weg sein muss, aus einer Krise, Depression oder Unzufriedenheit heraus zu kommen. Solange man sich wieder auf seine eigentliche Natur begibt, nämlich dem Mensch sein an sich. Ein Hase kann auch nicht erfolgreich sein, wenn er versucht eine Schlange sein zu wollen. Der Unterschied ist, das der Hase das weiß und wir Menschen oft leider nicht. Aber genug von Hasen und Schlangen. Seit langem beschäftige ich mich mit Psychologie, Selbstverwirklichung, Lebenskunst, Gesundheit, Meditation und der eigentlichen Wirklichkeit des Lebens und Seins. Und hoffe durch diesen Blog auch anderen ein bisschen mit meinen Erfahrungen weiterhelfen zu können.

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