Grenzen setzen ist Ausdruck deiner Liebe zu dir selbst.“ – Elke Bischofs

Gehörst du auch zu den Menschen, die Schwierigkeiten haben Nein zu sagen? Und mal Hand aufs Herz – wie oft hast du schon Ja gesagt, obwohl alles in dir rebelliert hat und du eigentlich Nein meintest?

Eine Grenze sagt: „Stopp. Bis hier hin und nicht weiter.“ und macht deutlich, was für dich in Ordnung ist und was nicht. Nein sagen und damit eine Grenze zu setzen, ist aber gar nicht so einfach. Hast du dich schon einmal gefragt, warum das so ist? Der Ursprung liegt wie bei fast allem in unserer Kindheit. Ca. ab dem 2. Lebensjahr beginnen wir, grundsätzlich zu allem und jedem Nein zu sagen (auch wenn wir eigentlich Ja meinen). Diese sog. Trotzphase ist sehr wichtig für unsere gesunde Entfaltung, da wir in diesem Lebensabschnitt erstmalig ein Gefühl für uns selbst entwickeln und überhaupt verstehen, dass wir eigene Entscheidungen treffen können.

Trotzreaktionen und Neins von Kids werden aber für gewöhnlich nicht gerne gesehen und eher mit Liebesentzug à la „Sei ein braver Junge, sonst darfst du nicht draußen spielen.“ oder Schuldgefühlen wie „Wenn du deinen Teller nicht leer isst, wird der Papa ganz traurig.“ bestraft. Damit wird natürlich nicht böswilliggegen uns gehandelt. Dennoch bekommen wir dadurch das Gefühl vermittelt, so wie wir sind nicht in Ordnung zu sein. Darüber hinaus wird uns von klein auf anerzogen, grundsätzlich Ja zu sagen, damit wir nicht anecken oder negativ auffallen. Bloß keine unnötigen Konflikte mit anderen provozieren – das gehört sich nicht.

All das nehmen wir mit ins Erwachsenenalter. Wir sagen also lieber 5x Ja als 1x Nein, weil wir Angst vor negativen Konsequenzen haben. Wir möchten niemandenverletzten, vor den Kopf stoßen und auf ein mögliches Drama haben wir auch keine Lust. In unserem Kopf spinnen Fragen wie:“Was denkt derjenige dann von mir?“ oder“Was ist, wenn dieser Mensch mich dann nicht mehr mag?“ – ich bin sicher, du kennst diese Angst vor Ablehnung.

Aber jedes Mal, wenn du Ja sagst obwohl du etwas eigentlich nicht willst oder keine Zeit hast, ist das gleichzeitig ein Nein zu dir. Ein Nein zu deinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Ein Nein zu deiner Erholung und Freizeit. Ein Nein zuden Dingen, die dir wirklich am Herzen liegen. Damit entfernst du dich von dir selbst und bist deinen Prinzipien nicht treu – stattdessen bist du fremdbestimmt. Du erlaubst anderen immer wieder, deine Grenzen zu überschreiten und so mit dir umzugehen.

Grenzen repräsentieren, wie viel du dir selbst wert bist. Menschen mit einem sehrgeringen Selbstwertgefühl haben meist nur schwache oder gar keine Grenzen. Eine der meistgestellten Fragen meiner Klienten lautet: „Wie lerne ich mich selbstzu lieben?“ Unter anderem, indem du Grenzen setzt. Klingt egoistisch? Ist es nicht– es ist ein Akt von Selbstliebe, Grenzen zu setzen und sie wie einen kostbaren Schatz zu wahren. Indem wir klare Grenzen ziehen begegnen wir uns selbst mit Respekt. Wir nehmen uns selbst ernst. Wir achten unsere Bedürfnisse und ehren unsere kostbaren Ressourcen. Wir stehen voll und ganz für uns ein und begegnenuns selbst mit Ehrlichkeit.

Die Voraussetzung dafür ist, dass du deine Grenzen kennst. Du musst ein Gefühl dafür entwickeln, was sich für dich stimmig anfühlt und was nicht. Du musst wissen, was wirklich bedeutsam für dich ist und wo deine Prioritäten liegen. Eine einfache Methode, seine Bedürfnisse herauszufinden ist, sich zu fragen:“Was brauche ich, damit es mir gut geht?“Erlange Klarheit über dich und deine innere Wahrheit. Kenne deine Ziele und werde dir bewusst, was dir im Leben wichtig ist. So findest du automatisch zu deinen Grenzen. Okay, jetzt kennst du deine Grenzen aber wie kommunizierst du sie deinem Gegenüber, ohne gleich als Egomane abgestempelt zu werden und dich schlecht zu fühlen?

Die „Ja-Nein-Ja- Methode“ eignet sich dafür sehr gut und erfolgt in 3 Schritten. Ein Freund fragt dich beispielsweise, ob du ihm am Wochenende bei seinem Umzug helfen könntest. An diesem Tag triffst du am Nachmittag eine alte Freundin, die du ewig nicht gesehen hast und brauchst den Vormittag für dich, um dich von deiner harten Arbeitswoche zu erholen. Schritt 1 (Ja): Du beginnst du damit, die Anfrage deines Freundes wertzuschätzen und dich dafür zu bedanken, dass er dich fragt. Schritt 2 (Nein): Darauf folgt deine Absage in Form von: „Ich kann am Samstag leider nicht, weil ich da keine Zeit habe.“ Du darfst an dieser Stelle wirklich ehrlich sein und musst dir keine kreative Ausrede einfallen lassen. Denn du beendest das Ganze mit Schritt 3 (Ja) und dem Aufzeigen von Lösungen. Heißt, du bietest deinem Freund Alternativen wie „Hast du schon XY gefragt, ob er Zeit hat?“ oder „Falls du Sonntag noch Unterstützung brauchst, komme ich gerne.“ So setzt du freundlich eine Grenze und kannst deinem Gegenüber zeigen, dass du ihm bei seinem Problem trotzdem helfen möchtest.

Oftmals hat Nein sagen übrigens gar nicht die negative Konsequenz, die wir uns im Kopf ausmalen. Im Gegenteil, wir treten selbstbewusst auf und verdienen uns so den Respekt unserer Mitmenschen. Die Aufrichtigkeit, mit der wir anderen begegnen erzeugt Vertrauen und schafft somit eine Grundlage für eine würdevolle Beziehung auf Augenhöhe. Und wenn dein Gegenüber trotzdem kein Verständnis aufbringt und dir stattdessen mit Wut oder Enttäuschung begegnet? Das kann passieren, ist dann aber wirklich nicht dein Problem. Mache dir bewusst,dass es die Sache deines Gegenübers ist, wie es bei ihm ankommt. Lass dir kein schlechtes Gewissen einreden. Steh zu deinem Nein und bleibe bei dir, du bist das absolut wert!

Zugegeben, das klingt in der Theorie alles so leicht, die Praxis ist wesentlich schwieriger. Besonders am Anfang ist es eine riesige Herausforderung Grenzen zusetzen. Es ist aber nicht unmöglich und schlichtweg eine Sache der Übung. Jedes noch so kleine Nein und jede Situation, in der du deine Grenzen wahrst, bringt direin Stück mehr Selbstvertrauen. Und dadurch wird es dir mit der Zeit auch immerleichter fallen, deine Grenzen zu kommunizieren.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp von mir: Schreibe dir auf, wenn du Nein gesagt und feiere diesen Erfolg, auch wenn er noch so klein erscheinen mag. Sei stolz auf dich, belohne dich und investiere die dadurch gewonnene Zeit in dich. Das motiviert und hilft dir, dran zubleiben!

Vom Herzen, deine Mel

PS: Falls du ein hohes Verantwortungsgefühl für andere Menschen hast und wissen möchtest, wie du dich auch emotional abgrenzt, dann fühl dich frei mich zu kontaktieren. Ich freue mich übrigens riesig, wenn wir uns auf Instagram oder Facebook miteinander connecten.

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Mel Endorphine

Hi, ich bin Mel – Bloggerin, Visionärin und Founder. Als Independence Coach und Expertin für Co-Abhängigkeit begleite ich Angehörige von Suchtkranken auf dem Weg in ein selbstbestimmtes und lebendiges Leben. Ich unterstütze sie dabei, sich von altem Ballast zu befreien und eine liebevolle Beziehung zu sich selbst aufzubauen. Meine Vision ist eine von Glück erfüllte Welt, in der jeder Mensch in seiner ganzen Schönheit strahlt und seine natürliche Einzigartigkeit lebt.

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